Glibber: Bildung, Forschung, Arbeitswelt
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Gedicht vom Postboten
Ich gehe sehr langsam, wie man sieht,
denn schnelle Laufen, das macht müd'
und müde Leute schlafen ein,
doch das darf bei der Post nicht sein.

Man erkennt uns ganz genau,
denn wir von der Post sind immer blau.
Doch mir gefällt sie ganz ernorm,
diese blaue Uniform.

Man hat mich oft schon für 'nen alten
Lufthansa-Flug-Kapitän gehalten.
Doch bekannt bin ich in West und Ost,
als schicker Willi von der Post!

Ja, bei der Post gibt's keine Penner,
nur verdammt gut aussehende Männer.
Genau wie ich, charmant, dynamisch und lieb.
Ich bin schon halt so'n richtiger Postler-Typ.

An jedem Werktag zwischen zehn und halb vier,
da trag ich die Post aus in meinem Revier.
Immer schön langsam und gewissenhaft,
das schont die Gesundheit und spart viel Kraft.

Bei jedem Schritt, da denk ich schon:
In dreißig Jahren krieg ich Pension.
Die will ich erleben, das Geld nehm ich mit.
Nur dieser Gedanke allein hält mich fit!

So laufe ich täglich Stunde um Stunde,
geruhsam, gemächlich die Zustellerrunde.
Aber eines Tages war es soweit,
da hatte ich plötzlich mehr Briefe als Zeit.

Nun stand ich da, hatte noch Briefe im Sack.
Doch ich schmiß sie nicht weg, nein, da war ich auf Zack!
Raffiniert wie ich bin, hab ich mir gedacht:
Die werden einfach zum Briefkasten gebracht.

Ich bin bei dem Laden und weil's mich nix kost',
verschick' ich den Rest einfach wieder per Post!
Aber dieser Job geht ganz schön auf die Knochen,
ich bin nämlich schon einmal zusammengebrochen!

Kreislaufkollaps, Herzanfall!
Das mach' ich sicher nicht nochmal,
nicht um alles in der Welt -
ich hatte nämlich morgens zuest einen Eilbrief zugestellt.

Wir von der Post, das liegt klar auf der Hand,
sind überall als sehr arbeitswütig bekannt
und nicht nur, daß die Arbeit sei wie sie sei,
nein, wir müssen sogar noch denken dabei!

Am Anfang ist es mir noch passiert,
da hab' ich die Briefe nach Größe sortiert.
Bin losgewetzt, hab' mich beeilt
und zuerst die großen Briefe verteilt.
Dank meines Genies, ich sag' es Euch allen,
ist mir nach einigen Jahren aufgefallen,
in einigen Häusern, was eine Qual,
war ich an einem Tag drei- bis vier mal.

Seit neulich hab ich es nun mal probiert
und mir die Post alphabetisch vorsortiert.
So warte ich nun sehr beschwingt,
ob diese Methode Erleichterung bringt.
Daran könnt Ihr sehen, im Kopf sind wir fit,
wir von der Post, wir denken halt mit!

Ich muß Euch mal sagen, Leute ehrlich,
als Postbote lebt man meist gefährlich.
Nicht wegen der bissigen Hunde in manchem Haus,
die reißen schon wegen meiner Schweißfüße aus.

Viel schlimmer ist die große Schar
der grünen Witwen - da lauert die Gefahr.
Die schicken nur wegen der Highlife
an sich selber Einschreibebriefe!

Sie öffnen die Tür, mein lieber Mann
und haben außer dem Radio meist nicht mehr viel an.
Sie laden mich ein, ich guck oft sehr blöd,
überlege, was in der Dienstvorschrift steht.

Raff ich mich nun auf, dann fallen die Schranken,
dann hab' ich nur noch den Service-Gedanken.
So schaffe ich täglich vier bis fünf sehr bequem.
wenn's mehr sind, wird es schon etwas unangenehm.

Neulich war ich bei der Frau Meier
und vorher zum Frühstück gab es Speck mit Eier.
Die habe ich auch unbedingt gebraucht,
denn ich kann Euch sagen, sowas schlaucht.

Da kommt mit einem mal zum Glück,
ganz unverhofft ihr Mann zurück.
Da stand ich nun, mir wurde warm,
mit meiner Hose überm Arm.

Da sprach der andere plötzlich heiter:
"Kollege, mach hier ruhig weiter.
Ich bin der Milchmann - Gott sei Dank -
und komm soeben aus dem Schrank!"

Am schlimmsten ist die Weihnachtszeit.
Da ist nix mit Gemütlichkeit.
Dann muß ich täglich für Euch Deppen,
jede Menge Weihnachtspäckchen schleppen.

Dann gehen wieder auf die Reise,
Christstollen, und die gleich zentnerweise.
Was schwitz ich da manchmal, ich Unglücksrabe,
bis ich die durch den Briefkastenschlitz habe.

Doch nun komm ich langsam in das Alter,
da liegt mir mehr der Dienst am Schalter.
Man braucht nicht laufen, sitzt nur still,
kann auf's WC gehen, wann man will.

Auch kriegt man dann so Namenskarten:
"Hier läßt sie Postrat Müller warten".
Ich bin beliebt im Postamt hier,
die längste Schlange steht bei mir.

Bei der Post gibt es ein großes Leiden,
denn man muß laufend sich entscheiden.
Einen ganz normalen Brief nach Aachen
muß man mit einer Mark freimachen.

Den können sie zum Beispiel eben,
mit 'ner 40er und 'ner 60er bekleben.
Ein Kollege ist da anderer Meinung,
und die ist typisch, die Erscheinung.

Der nimmt nämlich, ach was weiß ich,
sieben mal 10 und einmal 30.
Sie sehen an diesem Denkprozeß:
wir von der Post leben ständig im Streß!

Und das Aufkleben von Postwertzeichen
ist meistens dadurch zu erreichen,
indem man sie von hinten leckt,
obwohl das Zeug abscheulich schmeckt.

Aber was wir jahrelang erwartet haben,
wird nun im Großversuch gestartet,
denn die Post, die ist auf Zack:
Leck' mal wieder, jetzt mit Geschmack!

Es gibt Vanille, Kirsch, Melone,
die 80ziger schmeckt nach Zitrone.
Auch Knoblauchzehen können Sie schmecken,
ja, wir bieten Ihnen was beim Lecken.

Auch Fleischgeschmack schlug sehr gut ein.
Am letzten Sonntag gabs daheim
auf meinem ganz speziellen Rat,
'ne neue 50er mit Pommes und Salat.

Wenn ich dann nach langem Lebenswege
die Löffel mal beiseite lege,
sollt Ihr auf meinem Grabstein lesen:
"Er ist bei der Post gewesen!
Er war ein guter, zwar kein schneller
aber er war ein Postzusteller!"

Dann könnt Ihr sagen unverwandt:
"Den Jungen hab' ich gekannt,
den schicken Willi von der Post!"
So, jetzt reicht es aber - Prost.


Letzte Aktualisierung dieser Seite: 10.07.2008, 19:30 Uhr